Kalamata – Sparta: die Herausforderung

By | 17. Juni 2019

Von Kalamata aus führte mein Weg heute noch nach Sparta, um die dortigen Ausgrabungen zu besichtigen. Ich wählte hierfür die «Toll Free» Strecke. Dies tat ich einerseits, weil ich keine Lust auf schnöde Autobahn-Raserei hatte und andererseits, um das Hinterland auch mal zu sehen.

Meine Entscheidung war falsch. Denn hätte ich mir die Strecke vorher angeschaut, hätte ich die Autobahn gewählt. In 57.5 Kilometern bot die Strecke alles, was man mit einem gemieteten Camper nicht erleben möchte. Schon kurz nach Abfahrt aus Kalamata stand der erste Bergpreis an. Die Strecke führte entlang steiler Felswände, die jeweils mit dem Strassensignal für «Steinbruch» angekündigt wurden, und führte von 0 Höhenmeter auf 500 Meter über Meer – binnen 10 Kilometer versteht sich. In jeder engen Kurve, und das waren Einige, freute ich mich darüber, dass mal wieder niemand ausser mir auf der Strasse war. Doch selbst auf «gerader» Fahrbahn bot die Strecke mir keine Ruhe. Steine, zum Teil schon kleine Felsbrocken, lagen entweder auf oder neben der Strecke, wobei der Asphalt jeden ihrer Aufschläge noch perfekt nachzeichnete. An der Spitze des ersten Berges, auf gut 500 Meter über Meer, wurde ich dann das erste Mal für meine halsbrecherische Fahrt belohnt.

Was für eine Aussicht auf Kalamata und das Meer!

Die Strecke führte danach etwas ruhiger weiter in Richtung Artemisia, ein kleines Dörfchen, welches sich kurz hinter der Passhöhe befand und welches man mit der «Hauptstrasse» schön am Rande streifte.

Doch hinter Artemisia folgte was bei jedem Pass folgt: es geht auch wieder bergab. Doch im Gegensatz zum Aufstieg folgte eine Vielzahl von Serpentinen mit supersteilen Kehrtwenden. Noch bevor ich die dahinterliegende Talsohle erreicht hatte, war mir klar, dass diese Strecke mit einem Wohnwagen – egal welcher Grösse – unmöglich zu schaffen war. Doch ob ich diese mit meinem Camper zu Ende bringen könnte, wusste ich inzwischen auch nicht mehr. Erst als mir im Tal ein 40-Tönner entgegen kam, war ich etwas beruhigter.

Doch schon im Tal wurde mir klar, dass dies nicht der letzte Bergpreis sein würde. Denn es ging, nach einer kurzen Passage entlang dem Berg – natürlich weiterhin alle 100 Meter mit dem Hinweis auf Felssturz – wieder bergauf. Nur diesmal noch deutlich strenger als beim ersten Aufstieg – und deutlich länger. Insgeheim hoffte ich, dass der vorherige Lastwagen der Einzige sei, welcher sich aktuell auf dieser Strecke befindet. Ein paar andere Camper passierten mich. Eine Begegnung war derart eng, dass beide Fahrer die Seitenspiegel einklappen mussten. So hatten wir einen kurzen Moment, bei welchem beiden deutlich klar wurde, dass unsere aktuelle Position noch nicht die letzte Herausforderung dieser Strecke bot. Mein Gegenüber, ein Mann von ca. 65 Jahren, war vom Schweisse gebadet und sah deutlich abgekämpft aus. So als ob der Rest der Strecke mindestens nochmal so hart werden würde wie das, was ich schon hinter mir hatte.

Meine Befürchtungen waren richtig. Denn nun ging es beim zweiten Anstieg nicht mehr auf 500 Höhenmeter, sondern auf 1’318 Meter über Meer, bis ich die Passhöhe erreicht hatte.

Natürlich könnte man nun behaupten, dass sich die Strapazen lohnen würden. Aber da möchte ich entschieden widersprechen. Auf dem zweiten Bild ist die Strasse zu seien – und auch das steinige Feld, welches man zunächst nach oben schauend und später dann nach unten erkennend passiert. Dazwischen liegt übrigens nur eine einzige Kurve.

Das nächste Highlight dieser Reise bot mir das kleine Dörfchen Tripi, welches ich zur Mittagszeit passierte. Tripi wurde effektiv in den Hang gebaut und es ergab sich für mich keinen nennenswerten Grund, dass dort ein Dörfchen zu finden sei. Die gesamte Hauptstrasse – also meine Passstrasse – war von Bäumen oder Häusern eingepfercht, welche, nicht wie bei uns mit Sicherheitsabstand – direkt und ohne Gehweg an die Strasse gebaut wurden. Damit hätte ich ja noch leben können. Aber scheinbar ist der Gastwirt, der seine Taverne ebenfalls direkt an der Hauptstrasse hat, äusserst beliebt. Nur mit Mühe und viel Zirkeln konnte ich mich zwischen den parkenden Autos hindurchzwängen, welche natürlich, ganz südländisch, neben den Parkplätzen einfach eine zweite oder teilweise dritte Reihe bildeten. Nun wusste ich definitiv, weshalb der alte Herr aus meiner früheren Begegnung mich mit furcht ansah.

Nach Tripi hatte ich wohl das Meiste hinter mir. Denn die Strasse wurde flacher und deutlich ruhiger. Natürlich waren immer noch alle 100 Meter Warnhinweise auf Felsstürze und Steine oder Löcher von Steinen auf der Strecke, aber wenigstens kamen keine nennenswerten Steigungen oder halsbrecherische Haarnadelkurven mehr hinzu.

Kurz vor Sparta – ich sah das Zielfähnchen schon auf meinem Navi – kam mir dann doch noch ein Lastwagen entgegen. Wo war nochmal die letzte Ausweichstelle hinter mir? Autsch… Das war ne Weile her. Nun ja: ich mit meinem Camper mit Rückfahrkamera gegen Sattelschlepper-Zug… Ich setze zurück. Eine Herausforderung für sich ist natürlich das Zurücksetzen eines gemieteten Campers auf einer Passstrasse, bei welcher auf der einen Seite eine steile Felswand nach oben und auf der anderen eine ebenso steile Felswand nach unten führt, wobei natürlich die Sicherung der Fahrbahn irgendwie nicht mehr im Budget war. So fuhr ich eine ganze Weile rückwärts bis ich bemerkte, dass sich mir inzwischen noch drei andere Fahrzeuge im Rückwärtsgang angeschlossen hatten.

Ohne wirklich zu wissen, wie lange wir bereits im Rückwärtsgang den Berg wieder hinauf fuhren, traf ich bei der Taverne Smari auf einen Herrn, der mich in eine Seitenstrasse lenkte. Mit den hinteren fünf Fahrzeugen ist er wohl ebenso umgegangen, standen diese nun ebenfalls sauber aufgereiht hinter mir. So konnte der Lastwagen uns passieren und wir unseren Weg nach Sparta fortsetzen.