Auf nach Venedig

By | 11. Juni 2019

Das Erste, was man nach so einer Nacht dringend braucht, ist Kaffee. Ich bin ja ausgerüstet und zog locker flockig meine Migros Delizio Kaffee Maschine aus der Schublade – morgens um 6 Uhr. Ist ja kein Problem, denn so einen Lärm macht das Gerät ja bei der Zubereitung nicht. Wasser einfüllen, Kapsel einlegen, schliessen, an Strom hängen und los geht die Zubereitung. Voller Vorfreude drücke ich den Knopf, die Maschine heizt auf und beginnt wie ein durchdrehender Rasenmäher zu knattern. MIST, den ich und zieh den Stecker. So laut hatte ich das Teil nicht in Erinnerung!

Eine Stunde später höre ich, wie meine Nachbarn selber eine Kaffee Maschine knattern liessen. Gut, denk ich, auf zum zweiten Versuch: Wasser ist noch drin, die Kapsel auch. Also fix wieder Strom anschliessen und Knöpfchen drücken. Ist ja ne Kaffee Maschine für die ganz Doofen: es gibt nur einen Knopf. Wieder beginnt sie zu rattern wie ein Rasenmäher. Doch zu meinem Erschrecken blieb die Tasse leer, als sich die Maschine abschaltete. Verfluchter Start für die Reise, denke ich und entschliesse mich, zunächst die Morgentoilette hinter mich zu bringen und dann der Maschine eine letzte Chance zu geben.

Kurz vor den Sanitäranlagen fällt mir ein, dass neben der Rezeption ein Getränkeautomat steht. Mit etwas Glück gibt es ja doch noch Hoffnung für Koffein, wenn auch mit Taurin gemischt, was mir zu dem Zeitpunkt allerdings vollkommen egal war. Die Geldbörse hatte ich ja glücklicherweise vom Vorabend noch in der Hose und entsprechend dabei. Doch direkt neben dem Getränkeautomaten steht, welch wunderbares Zeichen, ein Kaffeeautomat. So bekam ich doch noch vor der Morgentoilette meinen ersten Kaffee. Etwas umständlich, aber dafür umso genüsslicher, stand ich glückselig vor dem Automaten, als mich zwei Österreicher zur Seite schoben, um selbst das Schwarze Gold aus der Anlage zu bekommen. Sie hätten es weniger gut wie ich, seien mit dem Motorrad quer durch Italien unterwegs und seien entsprechend auf diese Automaten angewiesen. So kamen wir früh morgens ins Gespräch und tauschten lustige und spannende Erfahrungen aus.

Kurz vor 8 Uhr verliess ich den Camping Sirmione in Richtung Desenzano. Denn ich wusste, noch aus den Erinnerungen unserer Italien-Rundreise, dass noch vor dem Ort ein riesiges Einkaufszentrum gebaut wurde. Mit etwas Glück wurde dort auch ein Elektronik-Fachmarkt integriert und damit meine Hoffnung für einen Ersatz meiner Kaffeemaschine genährt. Nach Chiasso zurückfahren, um dort im Migros eine Ersatzmaschine zu holen, war mir deutlich zu weit.

Und tatsächlich bekam ich die Chance. Denn das Geschäft war riesig. Gut 40 verschiedene Kaffeemaschinen von sicher 6 verschiedenen Herstellern standen zur Verfügung. Aber Migros hatte ganze Arbeit geleistet: Delizio Kapseln passen wirklich nur in Delizio Maschinen. Also musste, neben einer neuen Kaffeemaschine, auch noch eine nette Sammlung Kapseln her. Check!

Aus meiner Kindheit kannte ich noch den Super Markt gleich hinter der Autobahnbrücke in Desenzano. Diesen hatten wir eigentlich immer während unseren Ferien angefahren. Und auch nur, wenn Papi und ich wieder mal Lust auf eine ordentliche Menge Costini hatten. Natürlich gab es den Super Markt noch. Und da ich früh genug unterwegs war, standen wenige Autos auf dem Parkplatz und ich konnte meinen T448 über 4 Parkplätze abstellen. Doch natürlich blieb die Zeit auch in diesem Super Markt nicht stehen. Die Frischfleisch-Theke gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es abgepacktes Fleisch, welches zuvor hinter den Scheiben vorbereitet wurde. Entsprechend hatte ich keine Chance auf echte Costini und begnügte mich halt mit dem Angebot der Auslagen. Schade, aber vertretbar.

Kurz nach 9 Uhr war ich wieder auf der Autobahn Richtung Venedig. Fusina war mein Ziel, denn dort lag auch der Hafen der ANEK Lines, deren Fähre mich nach Patras führen würde. Gemäss Karten und meinem Navi befand sich in unmittelbarer Nähe zum Fährhafen ein Campingplatz, welchen ich mir für die Nacht ausgesucht hatte.

Aber entgegen den Bildern und meiner Planung war die Anfahrt deutlich leichter als angenommen. Kurze Zeit später stand ich an der Schranke und wurde von der Rezeption gemustert. Ja, die Freundlichkeit liess beim Einchecken wahrlich zu wünschen übrig. Es schein, als ob sie an «Tagestouristen», welche am nächsten Tag die Fähre neben wollen, nicht wirklich interessiert seinen – und das auch in absoluter Nebensaison. Trotzdem liess man mich passieren. Meinen Parzelle könne ich mir selber aussuchen.

Von Google Maps her wusste ich in etwa, wo ich mich hinstellen wollte: in die Nähe der Einfahrt der Fähre zum Hafen, in der Hoffnung, dass ich diese morgen beim Einlaufen beobachten konnte.

Dass sich hinter dem Fährhafen noch ein Industriehafen befand, wusste ich allerdings nicht. Dies wurde mir erst bewusst, als der erste Stückgutfrachter in greifbarer Nähe an meiner Parzelle vorbeifuhr. Ein Containerschiff folgte diesem in kurzem Abstand, was ich von meinem gemütlichen Platz bestens beobachten konnte.

Sichtlich begeistert nam ich mir den Stein als Sitzplatz vor und beobachtete das Schauspiel aus Frachtschiffen, gehenden und wiederkehrenden Schleppern und freute mich schon auf mein kleines Stück Fleisch, welches eine ganze Etage meines Kühlschrankes in Anspruch nahm…

Den Abend liess ich mit einem ausgedehnten Telefonat mit Jasmin ausklingen. Ein Telefonat, welches mir wirklich gut tat und mich in vielerlei Hinsicht wirklich bestärkte und kräftigen konnte.