Kalamata – Hafenstadt mit Charme

By | 17. Juni 2019

Bereits gestern Abend habe ich entschieden, dass ich nicht länger auf dem Campingplatz Petalidi Beach bleiben werde. Grund hierfür waren die doch etwas eigenwilligen Betreiber, der komische Strand und das Wetter. Ein Gewitter zog über Kalamata. Blitze zuckten im Minutentakt, Wind und Wellen taten ihr Weiteres. Zudem schien es mir, dass die wilden Hunde in dieser Region besonders nah am Campingplatz sind. So heulten diese beinahe pausenlos, was natürlich auch mit dem Wetter zusammen hängen konnte. Wir blieben jedoch vom Gewitter verschont.

Trotzdem bot mir der Platz nicht, was ich eigentlich gerade suchte: eine lockere Umgebung, ein kühles Bier und meine Ruhe. Ausserdem wollte ich eigentlich die Küstenstadt Kalamata noch aus der Nähe sehen und hatte irgendwie den Drang, weiter zu fahren.

Also entschied ich mich, wie die Tage zuvor, schon sehr früh zur Weiterreise. Die kurze Strecke nach Kalamata war ein Kinderspiel, da sie sehr gut ausgeschildert war. Inzwischen kann ich auch schon einige griechische Zeichen richtig interpretieren, was natürlich ungemein hilft.

Am Hafen von Kalamata sucht man vergeblich nach einem Parkplatz. Der Platz direkt am Hafengelände wird das als Solcher verwendet, ist aber für ein 7.5m Gefährt nicht wirklich optimal. Trotzdem stellte ich mich mal direkt vor die Mole und begab mich auf die Suche nach jemandem, der mir diesen Platz als Parkplatz bestätigen konnte. Ein freundlicher Herr verwies mich direkt an die Hafenpolizei – eine gute Wahl. Das Büro stand offen und die beiden Beamten waren sichtlich überrascht über meine Frage, ob ich meinen Camper für 1-2 Stunden stehen lassen dürfe.

Direkt hinter der Hafenpolizei und der Hafenpromenade findet sich ein wunderschöner Park mit unendlich vielen Spielplätzen, kleinen Kaffees und einer ganz neuen Spezialität, welche ich in dieser Weise hier in Kalamata nicht erwartet hätte. Scheinbar war dieser Park in früheren Zeiten, dem Eingangsdenkmal glaubend, der Bahnhof von Kalamata. So befanden sich noch duzende alter Dampflokomotiven und Wagen, sowie alte Bahnsteige und selbst so etwas wie das alte Bahnhofsgebäude mitten in diesem Park. Unter all diesen Bäumen, die den Park säumten, und der aktuellen Urzeit, war dieser Spaziergang eine echte Freude. So verweilte ich rund eine Stunde in dem Park, schaute kleinen und grösseren Kindern beim Spielen zu und erfreute mich ab denjenigen, welche die alten Dampflocks zu entern versuchten.

Aber mein eigentliches Ziel, die «Sehenswürdigkeit» von Kalamata, die Kirche, konnte ich zu Fuss nicht erreichen. So stieg ich wieder in mein Wohnmobil und setzte die Reise in Richtung Sparta fort. Mein Navi schickte mich wieder über eine Brücke eines ausgetrockneten Flussbeetes und diesem entlang Richtung Norden. Kurz vor Ende Kalamatas sah ich die Kirche aus dem Augenwinkel und bemerkte den Parkplatz, der sich gleich daneben befand. Blinker setzen und parkieren – kein Problem, denn der Parkplatz war noch ziemlich leer.

Eine griechisch orthodoxe Kirche zu besichtigen, galt sicher nicht als Ziel meiner Reise. Doch wenn sie schon mal so nahe ist, musste ich einfach anhalten. Die Kirche präsentiert sich aussen in wunderschönen Helltönen und übertönt in Punkto Sauberkeit – inklusive Vorplatz – alle Häuser und Strasse in der näheren Region. Im Inneren fühlt sich die Kirche angenehm kühl aber dunkel an. Die Eingangstüren sind mit schweren Stoffvorhängen versehen, welche unten zur Seite gebunden sind. Innen sind alle Wände mit wunderbaren Malereien verziert. Es gibt zwei Altare links und rechts der Kanzel sowie hinter der Kanzel eine ganze Reihe Bildnisse früherer Pfarrer dieser Kirche. Das Licht kommt ausschliesslich von den Fenstern, welche vor allem in Rot, Blau und gelblichem Weiss gehalten sind. Es herrscht eine absolute Stille in dieser Kirche, was zu einem sehr spirituellen Moment beim Betreten wird. So setzte ich mich auf einen Stuhl und betrachtete die Szenerie in aller Ruhe.

Ich verliess die Kirche nicht durch denjenigen Eingang, welchen ich genommen hatte. Dies schien mir angemessen, da viele Besucher dies ebenfalls taten. So fand ich mich am Seitenschiff zur Kirche und sah in der Ferne eine weitere, deutlich kleinere und mit Sicherheit wesentlich ältere Kirche. Und wenn ich schon mal da bin, konnte ich mir diese ja auch gleich noch aus der Nähe ansehen.

Ein wunderbares Bauwerk aus definitiv alter Zeit präsentierte sich mir jedoch mit einem ganz anderen Charm. Denn in dieser Kirche war es nicht totenstill sondern ging ab wie auf einem Bazar. Unter den prüfenden Blicken der Wandmalereien und der grossen Statue an der Stirn der Kirche referierten und gestikulierten duzende älterer Herren um die Wette. Eine, in einer Tracht gekleideten, Frau brachte zudem gerade ein gutes Duzend Kaffees und ich fragte mich, wofür dieses Gotteshaus denn nun wirklich genutzt wurde. Auch hier setzte ich mich eine Weile hin. Doch niemand schien Notiz von mir zu nehmen. Als ich das Haus verliess, sah ich die wunderschön gekleidete Dame erneut und sprach sie darauf an: dies sei in diesem Haus seit sie denken könne so. Hier wäre früher echte Politik gemacht worden. Früher, vor dem Beitritt und der Knechtung durch die EU, sei hier die Politik der Region Kalamata bestimmt worden. Würdenträger, Beamte und Priester hätten sich hier die Sorgen und Wünsche aus dem Volk abgeholt. Heute seien hier nur noch die Nörgeler zugegen. Die Übrigen hätten eh nichts mehr zu sagen und blieben in ihren Häusern…

Mein Besuch von Kalamata endete mit diesem spannenden Gespräch, welches die Dame mit mir in perfektem Deutsch führte. Sie lernte Deutsch, denn ihr Schwiegersohn und ihre Tochter seien schliesslich in Deutschland und sie hätte seit Jahren eh keine Arbeit mehr, als den Herren Kaffee zu bringen.