Die ASTERION II hat für eine Überfahrt von 36 Stunden wirklich nicht viel zum Zeitvertreib zu bieten. Neben einem Schlafplatz – sollte man denn eine Koje gebucht haben – bietet sie einen Tax-Free-Shop, eine Bar und ein Self-Service-Restaurant, sowie ein Duzend Fernseher mit griechischem Programm auf Deck 7 sowie ein Aussendeck mit Bar auf Deck 8. Allerdings wäre es mehr als übertrieben, die Geschäfte über mehr als 1-2 Stunden pro Schicht zu öffnen (natürlich nur tagsüber). So bleibt dem geneigten Gast nur zu hoffen, dass er sich schon selber zu beschäftigten weiss, weil die Langeweile sonst sehr schnell Überhand nimmt.
Eine Alternative wäre natürlich die Aussicht auf der Adria zu geniessen. Doch schon 20 Minuten nach Verlassen von Venedig ist von Land auf beiden Seiten des Schiffes nichts mehr zu sehen. Es herrscht das blaue Meer.
Ein Glück gab es aber auf dem Schiff für mich schon einige Bekanntschaften, mit welchen ich den Abend und den darauffolgenden Tag verbringen konnte. Zudem hatte ich ja mein prall gefülltes E-Book bei mir, welches mir ebenfalls gute Dienste erweisen würde, wenn ich mich mal zurückziehen wollte.
Was mich aber jetzt erst so richtig fasziniert, sind folgende Bilder, welche ich während der Überfahrt gemacht habe.

Ist das erste Bild noch nahe Venedig entstanden, zeigt das nächste Bild die Küste Albaniens – am nächsten Vormittag:

Doch auch bei der Küste Korfus sowie vor Igoumenitsa zeigt das Wasser eine ganz andere Färbung als noch in Venedig.

Geplant war unsere Ankunft in Patras um 21:00 Uhr. Dass dies jedoch so nicht eintreffen würde, war uns schon bei der Ankunft in Igounemitsa klar, wo bereits eine Stunde Verspätung zu Buche schlug und wir dann auch noch auf ein entgegenkommendes Schiff vor der Bucht warten mussten.
Da half es leider auch wenig, dass die vielen Gäste lediglich 20 Minuten benötigten, um von der ASTERION II zu kommen, denn auch in der Folge mussten wir Schiffe in einiger Entfernung kreuzen, was sicher nicht der schnellsten Route half.
Mit zweieinhalb Stunden Verspätung trafen wir schliesslich um 23:30 Uhr in Patras ein und konnten, inzwischen sicher alle übermüdet, die Fähre verlassen.
So sass ich endlich wieder in meinem Camper, hatte schon vor der Ausfahrt meine Tasche wieder ausgeräumt und wartete nun geduldig, dass mich ein Ladehelfer von Board wies. Doch dieser kam nicht. Vielmehr wurde uns – den Campern vor mir und mir – irgendwann klar, dass wir uns selber auf den Weg machen müssen. So starteten wir unsere Motoren und begaben uns in Richtung Rampe, wo endlich ein Ladehelfer von uns Notiz nahm und uns die Ruckelpiste entlang winkte.
Das Navi bereits auf den nächsten Campingplatz gerichtet, wollte ich eigentlich gerade das Gaspedal drücken, als mich von der Seite ein ziviler Zollbeamter stoppte und mir seinen Ausweis an die Scheibe drückte. «Stop the engine. Passport and Driving License, please.» Ja, auch sie verrichten nur ihre Arbeit. Und ein einzelner Mann in einem 4-Personen Wohnmobil erregt zwingend Aufsehen. Sicher kam auch noch dazu, dass ich ihm Schweizer Dokumente entgegenstreckte, er aber sicher schon die Deutschen Nummernschilder bemerkt hatte. Es folgte eine Komplettkontrolle meines Fahrzeuges sowie aller darin befindlichen Kästen. Lediglich den Kühlschrank, der aus meiner Sicht unüberschaubar vor den Zollbeamten stand, fanden sie nicht und mussten danach fragen. Natürlich wollten sie auch meine Gründe und Ziele für eine Reise nach Griechenland erfahren und waren überrascht, dass ich keine Ziele vorzuweisen hatte, sondern ganz alleine eine Rundreise plante. Ja, das überraschte mich auch, dass ich wirklich in Griechenland und auf dieser Rundreise bin – soviel steht fest. Erneut überkam mich ein ganz seltsames Gefühl bei der Sache, steckte dieses jedoch schon bald gut wieder weg, als ich mich erstmalig auf den Strassen Griechenlands befand und meinen Weg aus Patras zum Campingplatz suchte.
Den Campingplatz hatten wir uns (die beiden Österreicher Motorradfahrer, ein weiteres Österreicher Paar und ich) auserkoren und gehofft, dass dieser auch um diese Zeit noch geöffnet hat.
Die 20 Kilometer waren schnell zu fahren. Eine kurze Überlandstrasse, ein kurzes Stück auf der Autobahn und etwas durch ein Dörfchen fahren. Dann folgten zwei enge Strassen, die zum Camping führten.
Die Türe stand selbst um Mitternacht, als ich endlich dort eintraf, noch offen. Die beiden Motorradfahrer sassen draussen vor der Rezeption und genossen bereits ein Glas Weisswein. Sie hatten mich angekündigt. Sonst wäre mir nur die Strasse geblieben.
Kurz nach der Registration verliessen uns die Verwalterin und ihr Vater. Er allerdings mit den Worten, dass er gleich wieder zurück sei. Wir konnten ihm das fast nicht glauben, aber schon 20 Minuten später stand er wieder vor uns und öffnete erneut seinen Kiosk. So konnten wir uns langsam an unser neues Klima gewöhnen, tranken gemeinsam Wein und Bier und lachten über die Überfahrt nach Patras. Der gute alte Herr blieb die ganze Zeit bei uns, brachte frische, sensationell leckere Trauben und, bei Bedarf, weiteren Wein oder weiteres Bier – bis seine Vorräte aufgebraucht waren.
Glücklich und zufrieden sank ich um 3 Uhr früh ins Bett, fest überzeugt, dass ich tags darauf nach Olympia aufbrechen wollte.