{"id":237,"date":"2018-05-27T21:32:36","date_gmt":"2018-05-27T19:32:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blicki.ch\/prod\/?p=237"},"modified":"2018-07-28T21:33:39","modified_gmt":"2018-07-28T19:33:39","slug":"befoerderung-des-tiroler-bua","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/2018\/05\/befoerderung-des-tiroler-bua\/","title":{"rendered":"Bef\u00f6rderung des Tiroler Bua"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\">Hunderte fleissiger Bediensteter sausten durch das Schloss unseres K\u00f6nigs. Weshalb er immer wieder diese kurzfristigen grossen Feiern einberufen musste, war ihnen schleierhaft. Aber musste es denn immer so kurzfristig sein? Ein Satz hatte gen\u00fcgt, ein Schreiben, welches ein skurriler Schreiberling am Nachmittag \u00fcberbrachte, reichte aus, alle in Aufruhr zu versetzen. \u201eBereitet ein Fest mit allen Ehren vor!\u201c lautete die Anweisung &#8211; kurz und knapp. \u201eHisst die Banner!\u201c schrie der Hofmeister durch die grosse Festhalle. \u201eSeht zu, dass alle Deckenleuchter neue Kerzen erhalten! Hier, Du Idiot, geh\u00f6rt die Gabel und das Messer! Mach hin! Wir haben keine Zeit zu verlieren!\u201c Es war wie im Ameisenhaufen, den man gerade mit einem Holzstab maltr\u00e4tierte. Alle rannten sie durch einander, legten Teller aus, Kelche, Becher, H\u00f6rner, Kerzenleuchter und Schmuck. \u201eMit allen Ehren\u201c hatte der K\u00f6nig gesagt. Also musste alles perfekt sein.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ghosti sass in seinem Arbeitszimmer. Er studierte den Brief, den er am Nachmittag empfangen hatte. Ein Gl\u00fcck entsandte er am Nachmittag seine J\u00e4ger in den Wald, welche mit guter Beute zur\u00fcckkehrten. Die K\u00f6che hatte entsprechend reichlich zu tun: Tiere filetieren, Kartoffeln sch\u00e4len, Gem\u00fcse raspeln, T\u00f6pfe schleppen und die ganzen Feuer am Leben erhalten. Ganz leise h\u00f6rte Ghosti die Trompeter die Fanfare \u00fcben. In Gedanken versunken, br\u00fctete Ghosti \u00fcber die Zeilen der Urkunde, die vor ihm lag. Stimmte die Entscheidung, welche er getroffen hatte? Seine Ritter der Narrenrunde waren allesamt begeistert &#8211; und ihnen vertraute er. Sie hatten ihm immer den R\u00fccken gest\u00e4rkt und seine Entscheidungen respektiert und vertreten. Doch diese Entscheidung war so eindeutig, dass sie Angst machen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"p1\">Wie aus dem Nichts ert\u00f6nte die Fanfare der Narren &#8211; laut und klar, so dass sie alle im Schloss h\u00f6ren mussten. Ghosti erhob sich und schlug sich seinen Umhang \u00fcber die Schultern. Stolz trat er aus seinem Zimmer und ging in die grosse Audienzkammer. Sir Moltinus, seine rechte Hand, K\u00f6nigin Mietz, seine Zugetraute, und Mike, der quirrlige Kampfmeister, erwiesen ihm die Ehre, als er das Zimmer betrat. Er bot seiner Mietz den Arm an, welchen sie sofort umfasste, und stolzierte erhobenen Hauptes an den Anwesenden entlang, den Blick von ihren Augen nicht abwendend. Seine Tafelrunde war versammelt.<\/p>\n<p class=\"p1\">Kaum hatten sie sich begr\u00fcsst, ert\u00f6nte die Fanfare erneut. Doch diesmal war es nicht die Fanfare der Narrenrunde sondern diejenige der Narren selbst. Die \u00fcbrigen K\u00f6nige seines Reiches waren eingetroffen und warteten, standesgem\u00e4ss, in der Vorhalle der grossen Festhalle. Sir Moltinus, nerv\u00f6s und bestimmt, wies die anwesenden an, sich an ihre Pl\u00e4tze am oberen Ende der Festhalle zu begeben und an der Narrenrunde Platz zu nehmen, so dass die \u00fcbrigen Herrscher die Halle betreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Als die Narrenrunde die Halle betrat, huschten die letzten Bediensteten beiseite. Alles war bereit: die Banner aller K\u00f6nigreiche hingen an den W\u00e4nden, die Kronleuchter gl\u00e4nzten und hunderte Kerzen brannten. Es war perfekt. Sir Moltinus wies den Bediensteten am anderen Ende der Halle an, die T\u00fcre zu \u00f6ffnen, w\u00e4hrend sich Ghosti und die \u00dcbrigen setzten. Ein Bediensteter rannte herbei und lieferte frischen Met und Wein aus einer Karaffe. Die H\u00f6rner wurden gef\u00fcllt als die \u00fcbrigen Herrscher und ihr Gefolge die Halle betraten.<\/p>\n<p class=\"p1\">Als sich die Unruhe gelegt hatte, erhob sich Ghosti. Streng, ruhig und bedacht blickte er in die Halle. Sein Heer jubelte ihm entgegen. Er jedoch erhob die Hand, worauf sofort Ruhe einkehrte. Mit heroischer Stimme befahl er allen Herrschern, sich zu erheben. \u201eTiroler Bua! Komm her!\u201c Mit geducktem Haupt trat dieser aus den Reihen und schritt ans Fussende der grossen Tafel. Die imposante Empore, auf welchen die Herrscher der Narrenrunde sassen, sah von nahem von h\u00f6her aus als von seinem angestanden Platz her. Auch die vier Herrscher hinter dem Tisch sahen noch bedrohlicher aus als sonst schon. Einzeln und mit geducktem Haupt betrat er die einzelnen Stufen der Empore. Oben angekommen blickte er sich um und sah etwas, was seine \u00e4ngstliche Laune umgehend verfliegen liess.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Mitglieder der Narrenrunde zwinkerten ihm zu &#8211; ausser Ghosti, der streng in die Menge blickte. \u201eTiroler Bua! Du hast Dich in den letzten Monaten an unsere Gepflogenheiten gehalten. Du hast Dich den Narren eingefunden und uns mit Deiner Anwesenheit Freude und Lachen bereitet. Du bist ein Narr, wie wir uns ihn vorstellen.\u201c Und w\u00e4hrend sich Ghosti um die Tafel began, sah er, wie Ghosti ein Schwert in der Hand hielt. Umgehend kniete Reiti nieder, als Ghosti an ihn heran trat. \u201eTiroler Bua! Im Namen der Narren, der Ritter der Narrenrunde und der gesamten Legion der Narren, erhebe ich Dich in den Stand des Ritters der Narrenrunde! M\u00f6gest Du mit Deinem Wissen, Deiner Voraussicht die Gilde beh\u00fcten und stolzen Hauptes \u00fcber sie wachen und agieren!\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Ich muss ja wohl nicht erw\u00e4hnen, welcher Jubel ausbrach. Aber die Feste K\u00f6nig Ghostis sind nun mal legend\u00e4r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hunderte fleissiger Bediensteter sausten durch das Schloss unseres K\u00f6nigs. Weshalb er immer wieder diese kurzfristigen grossen Feiern einberufen musste, war ihnen schleierhaft. Aber musste es denn immer so kurzfristig sein? 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