{"id":232,"date":"2018-07-28T21:25:38","date_gmt":"2018-07-28T19:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blicki.ch\/prod\/?p=232"},"modified":"2018-07-28T21:25:38","modified_gmt":"2018-07-28T19:25:38","slug":"die-predigt-von-ghotar-phil-wird-r4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/2018\/07\/die-predigt-von-ghotar-phil-wird-r4\/","title":{"rendered":"Die Predigt von Ghotar (Phil wird R4)"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\">\u201eSchliesst die Tore\u201c schrie Ghotar seinen Dienern zu. Mit lautem Knarren drehten sich die schweren Holzt\u00fcren bis sie schliesslich mit einem Klack in die Schl\u00f6sser vielen. Dann ert\u00f6nten zum ersten Mal die Kl\u00e4nge der neuen Orgel, welche die Bauer in m\u00fchsamer Kleinstarbeit aus den Knochen tausender geschlachteter Gargantuas hergestellt hatten. Das \u201eAwe Maria\u201c ert\u00f6nte in absoluter Perfektion. Die Orgel brachte es auf eine nie dagewesene Klarheit in Klang und Umfang.<\/p>\n<p class=\"p1\">Wie jeden Sonntag trafen sich auch diesmal die Mitglieder der Narrenrunde in der Kathedrale von Sir Moltinus um der Predigt seines Priesters Ghortar zu lauschen. Die Kathedrale war, wie immer, auf den letzten Platz gef\u00fcllt. Jeder wusste, dass die Predigt feucht fr\u00f6hlich enden w\u00fcrde, weil Bier und Wein nun mal dazu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"p1\">Schalk und Spass durften ebenfalls niemals fehlen. Irgendein Herrscher einer Burg musste immer dran glauben und wurde vom Priester aufs \u00dcbelste zur Schnecke gemacht. Meist bot sich der Z\u00fcndelmeister als ordentliches Opfer. Doch manchmal bekam auch der Tiroler oder selbst der K\u00f6nig sein Fett weg. Sir Moltinus informierte seinen Prediger stehts genau \u00fcber die Narrenrunde, wobei ihm auch das exquisite Protokoll half, dessen Schreiberin in ultimativer Detailtreue auch die Nebenschaupl\u00e4tze der entsprechenden Sitzungen aufzeichnete.<\/p>\n<p class=\"p1\">Erst w\u00e4hrend der letzten Sitzung hatten sich der Tiroler und Moltinus dar\u00fcber gestritten, wessen Trinkhorn mehr Fassungsverm\u00f6gen h\u00e4tte. Der Beweis sollte durch mehrfaches Leeren der Trinkh\u00f6rner erbracht werden, wobei die Bediensteten die H\u00f6rner jeweils im Turnus mit Bier, Wein und Met f\u00fcllten. Sie blieben sich des Beweises schuldig. Und dies, obschon beide Trinkh\u00f6rner vom selben Stier stammen und vom selben Meister ausgeh\u00f6hlt und geeicht wurden. Doch liess es sich die Protokoll-D\u00fcse nicht nehmen, selbst die letzte Mahlzeit des Tirolers, sowie den Ort der Wiedergabe, genauestens und mit Skizze zu Protokoll zu bringen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Diesmal zitierte der Priester den Schweizer Phil auf die B\u00fchne, um ihn neben sich zu platzieren. Alle Augen richteten sich auf den braven Herrscher einer kleinen Sippe am Rande des Hives. Doch Phil schien ganz ruhig sitzen zu bleiben. Erst als der Priester seinen Namen mit deutlich sp\u00fcrbarem Nachdruck br\u00fcllte, schreckte dieser auf. Er? Wer was und wieso war Phil nun das Ziel dieses Sadisten eines Komikers und Klerikers? Phil soll sich auf dem Stuhl neben dem Priester einfinden?<\/p>\n<p class=\"p1\">In leicht geb\u00fccktem Gang bestieg dieser die kleine Empore. Gl\u00e4sern-gl\u00e4nzende Augen zeugten davon, dass es Phil nicht wohl war in seiner Haut. Er setzte sich auf den Holzstuhl. Von Nahem sah der Priester in seinem weissen Gewand mit den breiten \u00c4rmeln, seinen langen weissen Haaren und dem geschundenen Gesicht noch bedrohlicher aus als von Phil\u2019s angestanden Platz. Und doch musste Phil innerlich \u00fcber diesen Schelm schmunzeln. Was hatte ein Priester, dessen Glaube mehr dem Hopfen als einer Gottheit geh\u00f6rte, denn schon \u00fcber ihn zu melden? Er war bisher nie Teil eines gr\u00f6sseren Bes\u00e4ufnisses, hatte sich auch sonst noch keinen echten Namen bei der Legion gemacht, verhielt sich bescheiden und zur\u00fcckhaltend und half, wo er nur konnte. Aber, und das wusste Phil genau, sass man nicht umsonst auf diesem Stuhl. Sickerten etwa Erz\u00e4hlungen und Geschichten aus seiner alten Gilde durch die Legion? Wusste K\u00f6nig Ghosti mehr als dass er bisher Preis gab?<\/p>\n<p class=\"p1\">Nun. Man konnte sich dem Priester verwehren und sich somit gegen das Haus Sir Moltinus\u2019 stellen. Allerdings w\u00e4re dies wohl auch gleichbedeutend mit einem Rauswurf in g\u00e4nzlicher Schande gleichgekommen. Eine Option, die bisher noch keiner versucht hat. Und auch Phil wollte die entsprechende Prozedur nicht am eigenen Leib kennen lernen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Der Priester erhob seine Arme, um mit ihnen und seinem K\u00f6rper ein Kreuz zu bilden. \u201eSo preiset den Hopfen und Weizen, den Honig und die Traube, die Hefe und das Feuer, auf dass uns Met, Wein, Bier und Kekse niemals ausgehen werden. Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeden Geist, sondern pr\u00fcft die Geister ihres Gehaltes. Nicht in jeder Flasche ist unseres Gottes Geist enthalten. Nur diejenigen Geister, die Euer Gedanken unserem Gott lenken, sind unseres Gottes erhaben. Kinder, Ihr seid von Gott und habt jene \u00fcberwunden, die den Geist der G\u00e4rung nicht erleben durften. Setzt an die Flasche und pr\u00fcfet sorgsam. Denn nur daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und denjenigen des Irrtums. Aaameen!\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Es wurden H\u00f6rner, Flaschen und S\u00e4cke in die H\u00f6he gestemmt sowie gleichzeitig das \u201eAmen\u201c des Priesters nachge\u00e4fft. Alle ausser Phil nahmen einen grossen Schluck aus ihren Trinkgef\u00e4ssen. Ein erstes Mal hasste Phil den Kleriker, denn er musste sein Horn am Platz zur\u00fcck lassen und durfte nun seinen Kollegen und den Bediensteten beim Saufen zuschauen.Ghotar br\u00fcllte noch ein paar weitere, zu Trinkspr\u00fcchen abge\u00e4nderte Bibelverse in die Halle. Und jedes Mal trank die Meute ein kleinen Schluck mehr als davor.<\/p>\n<p class=\"p1\">Dann richtete sich der Priester zu Phil und lallte schon sichtlich benommen: \u201ePhil, der Du heute unter unserer Gottheit weilst, wurdest gerufen, um Deinen Weg bei der Legion zu beschreiten. Denn Dein ist der Tag, der heute begangen werden soll und Deine Zukunft bestimmt!\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Mit der Ruhe in Phil war es nun endg\u00fcltig vorbei. Nerv\u00f6s rutschte Phil von der linken auf die rechte Arschbacke und wieder zur\u00fcck. Was dieser Pfaff mit ihm im Schilde f\u00fchrte, er musste es \u00fcber sich ergehen lassen. Mela, seine Angetraute, grinste zu ihm hinauf. Auch Moltinus und der Tiroler waren sichtlich am\u00fcsiert \u00fcber sein Verhalten, was ihn noch mehr zur Verunsicherung trieb.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ghotar kreuzte seine Unterarme und ging, nun leicht geb\u00fcckt und ein Kreuz vor sich haltend, auf Phil zu. Seine Augen weiteten sich, als st\u00fcnde ihm der Schrecken der Welt ins Gesicht geschrieben. Als der Priester noch gut 2 Schritt von ihm entfernt war, senkte Phil den Kopf. Er hielt es, in dieser Situation, f\u00fcr richtig, obschon er eigentlich gar nicht genau wusste, ob dies auch entsprechend Sitte war.<\/p>\n<p class=\"p1\">Dann trafen ihn, wie aus dem Nichts, zun\u00e4chst einige Tropfen und dann ein ganzer Schwall einer kohlens\u00e4urehaltigen Fl\u00fcssigkeit. \u201eEine Bierdusche? Was sollen denn jetzt der Unsinn?\u201c dachte er sich. Aufgeschreckt sah er zum Prediger, der gen\u00fcsslich eine Flasche Oetinger ihm entgegen sch\u00fcttelte. Und nat\u00fcrlich war die Flasche noch nicht leer, als Phil den Prediger betrachtete, weshalb die n\u00e4chste Dusche ihn auf die 12 traf.<\/p>\n<p class=\"p1\">Unter tosendem Gel\u00e4chter und leicht anges\u00e4uert stand Phil auf und wollte eben auf den Pfaff los, als er den K\u00f6nig hinter dem Priester sah. Ghosti stand vor einer Kiste dieses widerlichen Ges\u00f6ffs und reichte dem Pfarrer gerade die n\u00e4chste Flasche. Ghotar \u00f6ffnete die Flasche aus dem Handgelenk. Ghosti, der gemeine Sack, hatte sie nat\u00fcrlich im Vorfeld ordentlich gesch\u00fcttelt, weshalb sich auch der Inhalt der zweiten Flasche \u00fcber Haar, Gesicht und Gewandung von Phil entlud.<\/p>\n<p class=\"p1\">Mit einer leichten Bewegung deutete der K\u00f6nig Phil, sich wieder zu setzen. Er selbst trat nun vor ihn hin und beugte sein Haupt \u00fcber ihn. Ghosti, bekanntlich nicht der Kleinste, wirkte in seiner Bewegung eher so, als w\u00fcrde er ein Kind tadeln wollen. Erneut f\u00fcllte die Halle tosendes Gel\u00e4chter aller Anwesenden. Die Situation sah auch zu komisch aus, wie der K\u00f6nig in dieser Position verharrte.<\/p>\n<p class=\"p1\">\u201eIm Namen des Lichts, der Dunkelheit, des Hopfens und des Weizens und im Namen aller Narren, erheb Dich!\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Langsam richtete Phil sich auf. Ghosti folgte diesem Vorgang, indem auch er sich langsam von seiner geb\u00fcckten Haltung zur\u00fcck in die Gerade fand.<\/p>\n<p class=\"p1\">\u201ePhil, Du hast Dich der Verdienste der Narren redlich verdient gemacht und teilst unser Wesen. Als Verteidiger des Bl\u00f6dsinns und H\u00fcter von Unsinn und Irrsinn, als Wissender und Begleiter unserer Mitglieder hast Du Dir Respekt verdient.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Die anschliessende Pause nutzten der Tiroler, Sir Moltinus, Mike und Mietze, um auf die B\u00fchne zu gelangen und sich demonstrativ hinter dem K\u00f6nig aufzubauen. Die Situation deutend, sprangen auch viele Herrscher der umliegenden Burgen auf und zogen ihre wundersch\u00f6nen Ehren- und Repr\u00e4sentationsschwerter.<\/p>\n<p class=\"p1\">\u201ePhil, ich erhebe Dich hiermit feierlich und mit allen Ehren in den Stand des R4. Du sollst fortan Teil der Narrenrunde sein und mit Deinem Wissen und Geschick die Gilde lenken. Du wirst f\u00fcr die Mitglieder Bibliothek und f\u00fcr die Neuen die Anlaufstelle sein!\u201c<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Herrscher streckten, Jubel schreiend, ihre Schwerter in die H\u00f6he. Die Meute stand nun ebenfalls und applaudierte lautstark. Und auch die neuerliche Bierdusche seiner neuen Kampfgef\u00e4hrten schien Phil nun nichts mehr auszumachen. Im Gegenteil schien ihn auch das \u00fcble Ges\u00f6ff nicht mehr zu st\u00f6ren, weshalb er den Mund weit \u00f6ffnete und versuchte, wenigstens Teile der Fl\u00fcssigkeit in seinen K\u00f6rper gelangen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Hinter der kleinen B\u00fchne wurde indes die T\u00fcre ge\u00f6ffnet. Ghotar verschwand und wurde stattdessen von 10 starken Recken durch eine prall gef\u00fcllte Tafel ersetzt. Bedienstete brachten St\u00fchle und so setzte sich das erste Mal die neue Narrenrunde an einen Tisch. Selbstverst\u00e4ndlich war auch f\u00fcr das Hauptschiff der Kathedrale gesorgt: durch die Hauptt\u00fcren lieferten die Bediensteten von Sir Moltinus Karaffen mit frischen Met und Wein, Bierkisten stapelten sich und durch die T\u00fcren konnte man schon die leckeren Schweine sehen, die von dem K\u00fcchenteam mehrerer K\u00f6nigsh\u00e4user geschnitten und aufbereitet wurden.<\/p>\n<p class=\"p1\">F\u00fcr diesen Abend sollte niemand hungern und dursten. Und ausser den Bediensteten mit ihren Aufgaben hatte ja auch niemand mehr etwas Besonderes zu tun. Und so feierte eine ganze Kathedrale die feierliche Ernennung von Phil, der in seinem bierdurchtr\u00e4nkten Gewand \u00fcbergl\u00fccklich an der Tafel sass.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSchliesst die Tore\u201c schrie Ghotar seinen Dienern zu. Mit lautem Knarren drehten sich die schweren Holzt\u00fcren bis sie schliesslich mit einem Klack in die Schl\u00f6sser vielen. Dann ert\u00f6nten zum ersten Mal die Kl\u00e4nge der neuen Orgel, welche die Bauer in m\u00fchsamer Kleinstarbeit aus den Knochen tausender geschlachteter Gargantuas hergestellt hatten. Das \u201eAwe Maria\u201c ert\u00f6nte in\u2026 <span class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/2018\/07\/die-predigt-von-ghotar-phil-wird-r4\/\">Read More &raquo;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-232","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lordsmobile"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/232"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=232"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/232\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":233,"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/232\/revisions\/233"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.blicki.ch\/prod\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}